Dr. Achim Heinze


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RAAM Qualifikation 2008

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Race Across AMerica - Qualifikation Wiedlisbach/SUI 11-12.7.2008

Nach über 500km Anfahrt bei 30° im unklimatisierten Auto waren alle erstmal geschafft. So waren die katastrophalen Wetterprognosen für das Rennen wenigstens für die Betreuer im Pkw mit einem kleinen Vorteil verbunden. Als am Tag des Rennens beim Start um 12.18 Uhr die Sonne vom Himmel brannte, durfte man noch auf milde Umstände hoffen! Genährt wurde diese Zuversicht auch durch Handy-Vorhersagen, welche den Wetterumschwung erst auf Sonntag datierten. Doch es sollte anders kommen...

...da die unmittelbar vor mir startenden Teilnehmer absagten, dauerte es bis ich zum nächsten Fahrer aufschloss. Nummer für Nummer konnte ich an den Steigungen bzw. bei Gegenwind überholen. Am ersten geschlossenen Bahnübergang kam Nr. 12 (Rainer Egli) wieder heran. Ihn sollte ich noch öfter treffen. Im flachen war sein Tempo angenehm, so dass ich bis zur Rückkehr in den Start-/Zielbereich (jeweils nach 100 km) in Sichtweite hinter ihm blieb. Auf der sich anschließenden Nordschleife verlief die Route auf verkehrsreichen Straßen flach gegen den Wind in Richtung dunkler Wolkenbank...

...im Anstieg zum Col du Pierre Pertuis setzte dann der Gewitterregen ein. Was anfangs nur als kleiner Ausläufer interpretiert wurde, war schließlich doch ein astreines Berggewitter im Jura das sich bzw. mich gewaschen hatte. Im Fahren erhielt ich Regenjacke und Duschhaube. Diese perfekte Übergabe von Waltraud durchs Autofenster stimmte mich dann zunehmend milder, da ich in der ersten Rennphase oftmals überflüssige Kommandos in Richtung Begleitteam gegeben hatte. Ich hatte einfach nicht gedacht, dass Andi und Waltraud so viel aus den Erfahrungen vom Glocknerman gelernt hatten. Ich musste mich wirklich um nichts kümmern...

...Andi als Fahrer des Begleitautos hatte wirklich seine Mühe mit den zahlreichen rücksichtlosen Autofahrern auf der Straße. Nachdem wir mehrfach angepöbelt wurden, fragte man sich schon, weshalb man seine körperliche Unversehrtheit in die Hände dahergelaufener Vollproleten legt. Da man somit äußerst rechts fahren musste, war die Angst vor einer Reifenpanne ohnehin groß. Gestresst hat in dieser Hinsicht vor allem die vierspurige, autobahnähnliche Trasse mit getrennten Fahrstreifen. Mittlerweile fuhren wir direkt im Berggewitter, was man am Schnalzen des Donners unschwer erkennen konnte...

...Zurück in Wiedlisbach (km: 205), sah der Horizont im Westen heller aus. Die dritte Runde (Süd) führte nun entlang des Regenbandes. Wieder nichts! Wenigstens konnten Waltraud und Andi effektvolle Fotos schießen (siehe links!). Als wir in die 4. Runde (Nord) gingen, war es längst dunkel. Die Nacht war trotz Vollmondnähe pechschwarz - einfach zu viele Wolken. Nun kam das zweite Gewitter über uns, welches weit heftiger ausfiel. Unangenehme Windböen und große, peitschende Regentropfen waren so unangenehm auf der Gesichtshaut, dass ich ein Halstuch über Mund und Nase wickelte...

...bei der Umziehgelegenheit wurde komplett gewechselt und die heiß geliebte Regenhose sowie Tüten unter die Überschuhe übergestreift. Jeder der so etwas kennt, weiß dass es keine angenehme Dauerlösung sein kann. In dieser Phase, kurz vor der Hälfte war ersichtlich, das wir es nicht mit einem Wärmegewitter, sondern der angekündigten Kaltfront zu tun hatten. Auf Wetterbesserung und Regenende war nicht mehr zu hoffen, was uns allen klar war. Hier dachte ich laut über eine mögliche Rennaufgabe nach. Andi legte nun eine sinnvolle Marschroute fest: So lange es dunkel ist, auf Sicherheit fahren; wenn es hell wird "Gas geben"...

...als vereinsamtes Plastic Peloton zog ich meine Runde bis km 412 zurück nach Wiedlisbach. Dort gab es zwar Nudeln, doch die 10 min Wartezeit wollte ich nicht einbauen - man hatte an den vielen Baustellenampeln bereits ca. 20 Minuten verloren. Ein netter Offizieller lieh uns kurz seinen frisch servierten Teller. Verpflegungstechnisch lief generell alles perfekt. 20 Ensure, 15 Bananen, 12 Äpfel und 15 Aprikosen und 6 Flaschen Cola lieferten genügend Kalorien. Eine Kunst war und ist es beim Extremsport, sich zu überwinden und das alles gut gekaut zu schlucken. Nur einmal musste ich mich kurz übergeben (wegen Überfüllung geschlossen!). Getrunken hatte ich ebenfalls ausreichend, was bei kühler Witterung auch nicht immer angenehm und einfach ist...

...endlich wurde es wieder hell! Nun traf ich öfter Fahrer Nr. 10, dessen Musikanlage auf dem Begleitfahrzeugdach ihn weit hörbar machte. Auf der 5. Runde (Süd - ca. bei Kilometer 460) fuhr er plötzlich rechts ran - erst im Ziel ward er als 5. Raam-Qualifikant wieder gesehen. Bis dahin waren es nach Durchfahrt in Wiedlisbach aber noch 2 große Abschiedrunden zu je 100km. Was kommen musste kam nun: Reifendefekt auf dem Radweg nach Biel. Zum Glück war das Auto nicht all zu weit weg, so dass sich der Zeitverlust in Grenzen hielt. Andi ölte die Kette auf der folgenden Auffahrt zum Col de. P.P. nebenher laufend. Weitere Radfahrer waren längst nicht mehr zu sehen...

...der Verkehr nahm ständig zu, so dass die Fahrt durch die französische Schweiz wieder in Stress ausartete. Müdigkeit stellte sich während der gesamten 27 Stunden jedenfalls nicht ein. Die rote Ampelstafette zeigte sich nochmals in voller Farbenpracht. Gut, dass Waltraud immer für mich mitdachte und mir jedes Mal etwas nach vorne brachte. Jeder Verpflegungswunsch wurde sprichwörtlich von den Augen bzw. der beschlagenen Brille abgelesen...

...viel konnte jetzt nicht mehr passieren. beim vorletzten Stopp in Wiedlisbach erfuhren wir die Referenzzeit des Führenden, was die letzte Runde Süd schon fast zur individuellen Ehrenrunde machte. Dank Rückseitenwetter zeigte sich nach 24 Stunden sogar wieder die Sonne zur Zieleinfahrt. Nach 27 Stunden und 5 Minuten waren gegen halb vier die 710 Kilometer und 5800 Höhenmeter absolviert und die RAAM-Quali mit großem Polster geschafft! Ende gut, überlebt...


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