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Wettkampfberichte > 2008
Schweizer Alpenbrevet 9.8.2008 276km/7030Hm
Mit knapp 1000 km meiner Italy-Trainingstour in den Beinen stehe ich um 6.45 in Meiringen am neuen Start. Neu deshalb, weil der Veranstalter gewechselt hatte. Als Ablösesumme gibts fürs gleiche Geld 400 Höhenmeter und 15 Kilometer Zugabe. Damit ist das Alpenbrevet (hat mit PBP nichts zu tun!) unter den Radmarathons der anspruchsvollste.
Die Vorhersagen sind bestens, nur das Wetter hält sich nicht daran. Es regnet, die Straße ist nass; wenigstens habe ich im Hotel noch Regenjacke und Schutzblech "montiert". Wer diese noch nicht anhat, kommt auch nicht mehr dazu: Von Beginn an wird flott gefahren. Ich halte mich weit vorne. Kehre für Kehre den Grimselpass hinauf (2164 m) werden wir weniger. Oben sind wir noch zu zehnt.
Bergab fahre ich weit vorn, da ich auf Spritzwasser vom Vordermann verzichten kann. Mitten in den Wolken sieht man höchstens 15 Meter, mit Sonnenbrille vielleicht fünf Meter. Folglich verbremse ich mich in einer plötzlich auftauchenden Kehre. Richtung Gletsch fahren wir kurz zu dritt, schon geht es wieder bergauf. Auf den nächsten 100 Kilometern werde ich keinen Fahrer mehr sehen: Die Auffahrt zum Nufenen (2478m,Temperatur 3°) bis hinter Biasca im Tessin (300m, 30°) bleibt das so.
Selten fror ich so wie auf der Abfahrt vom Nufenen, zuvor gelang es nicht einmal, die Füße durch das Treten auf der Passauffahrt zu erwärmen. Ohne Überschuhe sind die Füße nass, klamm und gefühllos. Dennoch würde ich wieder ohne Überschuhe starten – sonst trocknen später die Füße nicht; zum Ausziehen bleibt keine Zeit. Erwähnenswert im Hinblick auf das bescheidene Wetter während der ersten drei Stunden ist noch, dass die Startnummer samt Transponder der Nässe nicht standhalten kann. Geistesgegenwärtig erwische ich den Zeitnahmechip gerade noch und stecke ihn unter die Radhose. Leider löst er so nicht aus, was zur Folge hat, dass ich in Airolo bei der Streckentrennung nochmals umdrehen muss.
Nach langer Solofahrt nähert sich nach Biasca eine 14-Mann-Gruppe. Etwa 15 min lasse ich mich vom mäßigen Tempo „einlullen“, dann ziehe ich davon. Auf der Passhöhe des Lukmanier (1915m) hole ich den Drittplatzierten ein. Bergab nach Disentis und bergauf zum Oberalppass (2044m) fahren wir mehr neben- als hintereinander. Trotzdem holen wir den Zweiten ein. Da beide Fahrer anhalten und ich erstmals von einem Betreuer an den Passhöhen verpflegt werde (Dank an meinen Cousin Jürgen), kann ich zeitiger weiterfahren. Die Abfahrt nach Andermatt macht bei trockenem Wetter richtig Spaß, durch die Schöllenenschlucht nach Wassen stört der Verkehr.
Der Sustenpass (2224m) ist wie der Lukmanier sehr lang, aber gleichmäßig. Wenn es bei mir so etwas wie eine Spezialdisziplin gibt, dann ist es wohl das Befahren ewig langer Steigungen von 6 –8% im Sitzen auf dem 4.-5. Ritzel. Hier mache ich viel Zeit gut. Viele Fahrer der Gold- bzw. Silber-Tour quälen sich nun auf identischer Strecke wirklich in anerkennenswerter Manier den Susten hinauf. Viele tragen noch lange Beinlinge und teilweise Regenjacken, obwohl es an die 25° haben dürfte. Der Führende sei etwa 20 Minuten vor mir, erfahre ich von Teilnehmern. Leider stimmt diese Angabe nicht – auf der Passhöhe waren es nur noch 5 Minuten, was ich leider zu spät erfahre.
Auf der langen Abfahrt komme ich an 2 Postbussen nicht vorbei und sehe dahinter eine Abzweigung zu spät. Bis ich wegen der unübersichtlichen Stelle und des starken Verkehrs wieder retour fahren kann, vergeht – so kommt es mir vor – eine Ewigkeit! Wird es jetzt doch noch knapp? Zum Glück geht es in der Aare-Schlucht wieder 150 Höhenmeter bergauf. In Unterlenkerhaltung und auf dem großem Blatt sprinte ich hinüber. In einer Linkskehre kann ich bergwärts sogar einen Motorradfahrer (im dichten Verkehr) überholen, wobei dieser heftigst erschrickt. Somit gibt´s zum Abschluss sogar noch was zu lachen; lustig war es nicht immer, teilweise sogar sehr hart. Die 6 km nach Meiringen rolle ich aus, so dass im Ziel 10.51 Stunden und der zweite Gesamtrang zu Buche stehen. Immerhin bei deutlich längerer Strecke und so gut wie ohne Windschatten fast eine Viertelstunde schneller als im Vorjahr.
Fazit: Der Startortwechsel tat der Veranstaltung gut; v.a. die Sicherheit zu Rennbeginn durch gesperrte Straßen und Bergaufkurs sind hierbei herauszustellen. Verbessern sollte man aber die Beschilderung, z.B. auch bei gerader Streckenführung alle 5-10km besser erkennbare Schilder.
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